Zu dem Image richtiger Rocker gehören auch Arme voller Tätowierungen. Möglichst bunt und abschreckend müssen sie sein und auf stark behaarten Oberarmen prangen. Das ist das allgemeine Vorurteil vieler Mitbürger, die noch nie Kontakt mit Motorradgruppen hatten.

Dabei ist die Kunst der Tätowierung viel älter als die Motorräder. Der Fund der 5.300 Jahre alten Gletschermumie Ötzi ist nur einer der vielen Beweise, dass Tätowierungen nichts mit zwei Rädern zu tun haben. Aber es gibt noch ältere Beweise für die ersten Tätowierungen. Die 5.351 Jahre alte Mumie aus Gebelin, einem Ort in Oberägypten, hat die ältesten bekannten Verzierungen der menschlichen Haut.

Besonders in der Bundesrepublik Deutschland galten in den fünfziger Jahren die Tätowierungen als Erkennungszeichen für Straftäter, die längere Zeit im Gefängnis verbracht haben. Vielleicht sind auch gerade deswegen Motorradfahrer mit Tätowierungen noch furchteinflößender.

In den letzten Jahren hat sich die allgemeine Meinung über Tätowierungen positiv verändert. Immer mehr jüngere Leute verzieren ihren Körper mit Symbolen, die in ihrem Leben eine Rolle spielen. Abgesehen von Modeerscheinungen, wie dem sogenannten “Arschgeweih”, können Tätowierungen die Lebensphilosophie und die Erfahrungen eines Menschen widerspiegeln.

Hinter den bunten Zeichnungen auf der Haut stecken oft besondere Erfahrungen und Tragödien, die die Träger nie mehr vergessen wollen.

Tätowierungen können dezent auf Körperteilen angebracht werden, die nicht so offensichtlich sind, oder für jeden sofort erkennbar. Eines zeigt aber jede Tätowierung: die Entscheidung des Trägers, der dieses Zeichen ein Leben lang tragen möchte.

Tätowierungen gehören heutzutage zu unserem Leben und sind keine Zeichen mehr für Subkulturen. Deswegen sollten Sie nie einen Motorradfahrer mit Tätowierung verurteilen. Hinter den bunten Linien stecken oft interessante und mitreißende Geschichten, die die Träger vielleicht auch gerne mit Ihnen teilen.

Fragen Sie einfach den nächsten Menschen mit einem Tattoo, was es für ihn bedeutet, und sie werden wahrscheinlich eine interessante Geschichte hören, oder auch nur einen netten Kerl kennen lernen.